Ein Stein kommt ins Rollen..

Hey ihr Lieben,
oh Gott… ich weiß ehrlich gesagt gar nicht genau WO ich ANFANGEN soll!
So viele Infoooos! Fühl mich grade total erschlagen… aber was nur gutes heißen soll!
Um 10 hatte ich heute den Termin bei der UK-Beratungsstelle der Lebenshilfe. Das praktische an der Sache ist, die Lebenshilfe selbst plus die Werkstätten etc sind alle nur 5 min von mir mit dem Fahrrad entfernt. Der Termin heute ging ganze 1,5 Stunden, und das obwohl es ja „nur“ das „Vor“Gespräch war und noch gar nicht die eigentliche Kommunikationsdiagnostik die sie mit Jerry auch noch durchführen wird.
Heute ging es nur darum, das sie mir aufzeigt was es für Möglichkeiten gibt etc. Und sie war total begeistert davon, das ich diese ganzen Dinge eigentlich schon kannte – und als ich ihr dann noch den Ordner zeigte war sie total aus dem Häuschen… und meinte „Sie können hier sofort an zu arbeiten!“, (höhö…sollte sie nicht zu laut sagen, immerhin will ich ja in diesen Bereich!)

Fragen über Fragen

Wir haben erstmal gemeinsam einen knappen 15 (!!!) Seitigen Fragebogen ausgefüllt, wo Sachen abgefragt wurden wie die
  • – Diagnosen, – Bezugspersonen, – Therapeuten und Therapien, – Wahrnehmung,                – Motorik, – Kommunikation, – Sprachliche Kommpetenzen (also ob er auf Geräusche,Sprache,seinen Namen etc reagiert) – Kognition (also ob er die Fähigkeit der Objektpermanenz hat, – Symbole versteht, – Ursache-Wirkungs-versteht, usw)                    – Gedächnis, – Aufmerskamkeit und Kontentration, – psychosoziale und familäre Situation, – Motivation des Kindes zur Kommunkiation und auch des Umfeldes etc.
Immer wieder fragte sie mich Dinge und erklärte fleissig …

Dann DIE Frage, haben sie die Diagnose Autismus? 

Ich erzählte ihr die Geschichte, das wir zur Zeit „nur“ den Verdacht haben und mittlerweile IMMERHIN schon auf den Arztberichten „autistische Züge“ steht.
Sie verwies mich dann an das Autismusinstitut in Frankfurt/Langen. Es würde auch noch andere geben hier im Umfeld, aber dort wären eben 98% der Mütter und Väter voll zufrieden! Und sie haben auch jetzt im Moment in ihren Werkstätten 4 (!) Down-Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen! Und die wurden eben auch in Langen diagnostiziert. Werde dort gleich direkt noch anrufen, das sie mir die Fragebögen zuschicken sollten die ich erstmal ausfüllen muss!

Das Metacom-System

Dann erklärte sie mir das  Metacom-System, und das viele den „Fehler“ machen (den auch ich getan habe) wenn man eine Kommunikationstafel oder Mappe erstellt, das man nur Nomen-Karten fertig macht. Dabei wäre das Kernvokabular viel wichtiger, denn nur damit kann man ja wirklich richtig kommunizieren… und auf ein Beispiel hin, hab ich es selbst auch gemerkt.
Ich hab ja dann die Bedenken geäußert, das ich mir nicht sicher bin ob Jerry diese „abstrakten“ Bildkarten wirklich versteht. Aber die nahm sie mir dann… ! Es gibt bei diesen Metacom-Symbolen Bildkarten, sowie eine Software und auch ein „Poster“ das man auf den Tisch legen kann… und man Jerry dann immer wieder auf die passenden felder zeigt .. bsp : Ich (motiv1) möchte (motiv2) auch (motiv3) usw. Diese ganzen Motive sind je nach Wortgruppe auch nochmal unterschiedlich farbig umrandet… so das es leichter ist diese Wörter zuzuordnen und damit es übersichtlicher ist.
Ebenso haben wir festgehalten das wir weiter machen werden mit den Gebärden. Auch wenn Jerry sie nicht annimmt. Seinem Sprachverständniss kommt es nur zu Gute!
Jerry seine Erzieherinnen werden nun auch ran gezogen.. sie müssen jetzt einen Gebärdenkurs belegen, einen Morgenkreis einführen (was ich super finde, den hab ich nämlich die ganze Zeit immer vermisst) und die Kinder müssen GEMEINSAM frühstücken! Denn nur so, kann eine Gemeinschaft entstehen.
Dann muss die Kita genau den gleichen Fragebogen den ich ausgefüllt habe, auch nochmal ausfüllen (den übergebe ich denen nachher) und sie müssen Situation in der Kita beschreiben mit Jerry. Und da wird dann Fr.D. von der Beratung auch nochmal sehr wahrscheinlich auf die Finger hauen. Man soll  Jerry nicht immer alles abnehmen.. sondern auch das Risiko eingehen, dass er dann halt mal meckert. Kommunikations-Situationen provozieren, und sich „dumm“ stellen damit Jerry den Anreiz bekommt sich zu Verständigen!
Sie empfahl uns auch noch ein Tagebuch einzuführen, in das  ich UND die Kita jeden Tag etwas reinschreiben sollen und das ganze mit Fotos unterstützen. Denn so kann Jerry auch aktiv im Morgenkreis teilnehmen und ICH kann nachmittags mit ihm über den Tag in der Kita sprechen, ohne das ich die Erzieherinnen fragen muss in seinem bei sein. Denn dann reden wir ja nur „ÜBER“ ihn und nicht „MIT“ ihm!
Wenn die Erzieherinnen den besagten Fragebogen ausgefüllt haben, wird es zu einem gemeinsamen Termin bei Fr.D.kommen wo auch die Erzieherinnen dabei sein sollen. Und dann wird ein GEMEINSAMES Konzept erarbeitet, wo auch sich dran beteiligen sollen. Heißt für uns jetzt genau das alle in Jerrys  Umfeld an diesem Konzept mitarbeiten. Auch Bruderherz, Schwägerin, meine Liebste usw usw usw ! Nur so, kann es jetzt funktionieren. Das heißt, sie wird auch mit uns nochmal ein neues Kommunikationsbuch mithilfe des Boardmaker erarbeiten! Und ab sofort uns in Sachen Kommunikation stets begleiten. Und wir werden dann auch versuchen das Buch als Hilfsmittel über die Krankenkasse zu bekommen.
So… und nun bin ich nach wie vor völlig geflasht, und garantiert hab ich jetzt auch die Hälfte vergessen 😀 … !
Liebste Grüße
Nike

Verfasst von

Ein inklusiver Famlienblog für jedermann! Hier geht es um das Leben mit 2 Räuberjungs. Jerry hat das Down-Syndrom und Autismus. Aber es geht bei Jerrys Welt in Zukunft um alle Themen rund um die Familie :)

5 Kommentare zu „Ein Stein kommt ins Rollen..

  1. Kernvokabular ist soooo Super! Ich arbeite da mit meinen Schülern mit und obwohl ich es total kompliziert fand, haben sie es schnell angenommen. Viel Erfolg!

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  2. Wow, das war ein erfolgreicher Termin, oder?!
    So Sachen wie Morgenkreis oder gemeinsames Frühstück halte ich ja für völlig selbstverständlich, wie kann man denn in einer Kiga-Gruppe darauf freiwillig verzichten??? Ich drücke die Daumen, daß die Erzieherinnen gut mitmachen in Zukunft!

    Das Tagebuch ist bestimmt ein großer Gewinn. So kenne ich es aus der Schule auch, daß da ein Austausch stattfindet und mit Hilfe von Fotos erzählt wird. Ich habe heute extra nochmal nachgeschaut, es ist auch Boardmaker, das bei uns auf jedem Schulcomputer läuft.
    Ich mußte heute an Euch denken, als meine Kinder in einer Klasse des Förderzentrums zu Gast waren (das sind sie immer mal, weil ihre Grundschule mit dem Förderzentrum, in dem ich arbeite, das Gebäude teilt und viel zusammen macht) und gleich mithalfen, den Tagesplan für morgen zu gestalten – mit Symbolen natürlich ;-))

    Ich wünsche euch ganz viel Freude und Erfolge auf diesem neuen Weg! Klingt doch sehr, sehr gut!

    Liebe Grüße,
    Karen

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  3. Das klingt sehr gut, ich bin begeistert.
    Ich hab noch nie in einen Kindergarten gearbeitet wo es den Morgenkreis nicht gab. Gehört doch dazu, oder?
    So viele neue Türen gehen auf bei Euch, das ist schön!
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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  4. Das klingt alles sehr positiv! Und ich – als Musikpädagogin u.a. in der Früherziehung im Kindergarten – kann gar nicht glauben, dass sie in Jerrys Gruppe keinen Morgenkreis gemacht haben. Wenn etwas das Miteinander stärkt, dann ist es das gemeinsame Singen. Hast du schon mal über Musiktherapie mit Jerry nachgedacht? Oftmals findet man über Töne, Klänge und Geräusche einen Zugang zu Kindern, an die über Kommunikation mitunter nur schwer oder gar nicht ranzukommen ist, weil sie sich nicht öffnen (können). Aber wie gesagt, das Kartensystem finde ich toll und bewundere deine Kraft! Alles Liebe!

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