Warum für uns keine Pränataldiagnostik in Frage kam beim 2.Kind…

Wenn man bereits ein Kind mit Down-Syndrom bzw mit einer Behinderung hat und man sich dann für ein zweites Kind entscheidet, kommt eine Frage immer wieder auf!

Lasst ihr das Down-Syndrom testen? Oder habt ihr es in der Schwangerschaft testen lassen? 

Die meisten von euch wissen ja bereits, dass ich es bei Jerry in der 27.Schwangerschaftswoche durch eine Fruchtwasseruntersuchung erfahren habe, das er das kleine Extra im Gepäck hatte. Jerrys Erzeuger wollte den Abbruch – ich war verzweifelt und alleine mit meinen Gefühlen und Gedanken.

Weiterhin klare Vorstellung von meinem  Leben

Jerry hat nichts in meinem Kopf von der Vorstellung verändert, wie ich mein Leben sehe. Was ich mir fürs Leben wünsche. Ich wollte immer 2 Kinder haben, einen Mann, ein Haus und ein Schweinchen und/oder Hund.

Als der Held und ich dann zusammenkamen, war das ihm auch von Anfang an bewusst, dass meine Kinderplanung noch nicht abgeschlossen war. Zudem kannte er meine Einstellung zum Leben. Ich habe mich damals für Jerry bewusst entschieden und für mich war klar, ich würde immer wieder so handeln.

Der Held und ich sind uns in den meisten Dingen des Lebens auch sehr einig und haben ähnliche Ansichten und Gedanken zum Leben. Er hätte sich auch nie gegen ein Kind entscheiden können.

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Da wir wussten, dass wir die Liebe unseres Lebens gefunden haben, kam der Kinderwunsch schnell in uns hoch – und doch mussten wir über 3 Jahre auf den Muckel warten. Ich kann nur sehr schwer Kinder bekommen, da ich das sogenannte PCO-Syndrom habe. Dies wurde aber auch erst sehr spät festgestellt. Immer wieder bin ich zur Ärzten und habe gesagt, bei mir stimmt was nicht. Es wurde nie so richtig ernst genommen. Erst als meinen Frauenärztin sich meinen Zykluskalender mal genauer angeschaut hatte, sagte sie auch – das  müssen wir genauer Untersuchen. Wir standen kurz vor der Hormonbehandlung, als ich am 21.3.2015 dann nach langen 3 Jahren endlich positiv testen durfte. Ich hatte so eine Angst, dass ich Träume das ich gleich 7 Tests gemacht habe und die  Tage darauf auch jeweils noch einen um mir wirklich sicher zu sein!

Die Unmenschlichkeit in Person

Einige Tage später hatten wir dann den Termin beim Frauenarzt. Leider bei der Vertretung. Als ich mich wieder angezogen hatte und wir uns gegenüber an seinem Schreibtisch saßen, sagte er nur zu uns: Wir müssen dann jetzt schauen, wann wir die Tests machen lassen, da sie ja bereits ein Kind mit dem Down-Syndrom haben. Keine Gratulation –  nichts.

Ich lächelte ihn nur an und erwiderte darauf, dies benötigen wir nicht. Aber danke. Die weiteren Untersuchungen werden SIE sowieso nicht mehr vornehmen, sondern ihre Kollegin mit Herz. Dann habe ich das Ultraschallbild genommen, meine Tasche und bin gegangen. Sehr glücklich. 

Aber auch etwas verärgert. Da ich mich wirklich fragte, was er sich dabei dachte!? Er und ich waren uns menschlich noch nie ganz grün gewesen. Ich fand ihn einfach schon immer mega unsympathisch – so kalt und unfreundlich. So ohne „Menschlichkeit“! Dies hatte er an diesem Tag definitiv bestätigt.

Der Held und ich haben uns natürlich während der Schwangerschaft dann noch einmal drüber unterhalten – und immer noch waren wir uns einig.

Jahrelange Aufklärungsarbeit

So lange es keine Auffälligkeiten gibt, wollen wir nichts testen lassen. Da es für uns einfach nichts änderte. Seit Jahren setzte ich mich für Aufklärung ein. Ich schreibe für euch, von Mut. Dass man über sich selbst hinaus wächst – auch wenn man es sich nicht vorstellen kann. ICH habe vor Jerry ganz genauso gesprochen. Ich hätte mir ein Leben mit einem Kind mit Behinderung nicht vorstellen können – ich dachte, ich wäre dafür nicht stark genug – und Leute, ich bin sowas von stark. Sowas von! Das habe ich aber alles durch Jerry gelernt. Doch das aller wichtigste war für mich tatsächlich und ich spreche jetzt  hier nur FÜR MICH… das soll keine Verurteilung sein….

Ich hätte dem Räuberkind nicht mehr in die Augen blicken können, wenn bei dem Muckel etwas festgestellt worden wäre und wir uns gegen ihn entschieden hätten.

Wenn ich mich gegen ein Kind entschieden hätte, welches genau das im Gepäck hat, was die größte Liebe in meinem Leben im Gepäck mit hat – nämlich das Down-Syndrom.

Ich hätte mich als Heuchlerin empfunden. Ich möchte noch einmal betonen, ich spreche hier nur von meinen Gefühlen und Gedanken. Es soll keine Verurteilung sein! Sondern ich möchte hier nur davon berichten, warum WIR uns gegen die ganzen Tests entschieden haben.

Und ich bin auch so unglaublich dankbar, dass dies alle Ärzte respektiert haben (abgesehen von dem Arzt am Anfang) Das einzige wonach wir bei der Feindiagnostik schauen lassen haben, war das Herz. Wir wollten wissen, dass da alles in Ordnung ist. Ob er nun das Down-Syndrom gehabt hätte war für uns absolut unwichtig.

Keine Zukunftsängste

Bei Jerry war ich damals sehr mit mir selbst beschäftigt – mit der Angst vor meinem zukünftigen Leben. Aber jetzt, hätten wir gewusst – was da auf uns zu kommt. Auch was im schlimmsten Fall auf uns zugekommen wäre, da Jerry ja nun wirklich schon sehr viele Schutzengel in seinem Leben hatte und sich immer wieder das Leben erkämpfte.

Ich möchte damit nicht sagen, dass es nicht auch eine Herausforderung hätte werden können, aber ich habe vor Herausforderungen keine Angst mehr. Ich habe gelernt diese anzunehmen, da sie zum Leben dazu gehört. Noel war so ein unfassbares Wunschkind, welches wir so ersehnt hatten. So oft geweint hatten, als ich wieder mal negativ testete. Und das kam so oft vor. Wir hätten uns niemals gegen ihn entscheiden können. Niemals. Egal was da gekommen wäre.

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Keine Garantie für das Leben

Kein Mensch weiß vorher, was das Leben für einen bereithält. Es gibt keine Garantie. Und wenn wir uns gegen ihn entschieden hätten im Falle des Falles, hätte es keine Garantie für uns gegeben das ich 1. überhaupt nochmal schwanger werden kann und 2. wenn es nochmal geklappt hätte, das Kind auch wieder gesund wäre. Oder das es nicht mal zu einem Unfall kommt oder, oder.

Doch leider nehmen viele Menschen Gesundheit als etwas Selbstverständliches wahr. Obwohl es das größte Glück in unserem Leben ist, wenn wir dies haben. Denn diese kann uns einfach in jeder Sekunde des Lebens genommen werden. Jede Sekunde von den durchschnittlichen 2 650 838 400 Sekunden des Lebens.

Als ich damals mit Jerry schwanger war und meine Familie noch über 500 Km weit wegwohnte, sie mir aber am Telefon beistanden und ich meinem Papa am Telefon davon erzählte, dass ich mich für Jerry entschieden habe – meinte er nur, dass es die beste Entscheidung in meinem Leben sein wird. Ich hätte einen Schwangerschaftsabbruch niemals verkraftet.

Egal ob vor der 12.SSW oder einen Spätabbruch – was in Deutschland legal ist laut §218a. Wenn die physische und/oder psychische Gesundheit der Mutter gefährdet ist, ist ein Schwangerschaftsabbruch, bis kurz bevor die Geburt unmittelbar bevor steht noch erlaubt.

Erst ab dem Moment wo das Kind im Geburtskanal steckt, ist dies nicht mehr möglich.

Mein Papa hat bis heute recht behalten. Es gab viele gute Entscheidungen in meinem Leben – doch die zwei besten, blicken mir jeden Tag in die Augen und sind für ihr Leben so voller Liebe und so unglaublich dankbar.

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Und natürlich bin ich so unglaublich dankbar dafür, dass wir beides erleben dürfen. Die Entwicklung von Jerry und auch die Entwicklung von Noel. Beides ist für das Leben so unglaublich spannend und wertvoll – und keins von beiden ist weniger wert als das Andere.

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Verfasst von

Ein inklusiver Famlienblog für jedermann! Hier geht es um das Leben mit 2 Räuberjungs. Jerry hat das Down-Syndrom und Autismus. Aber es geht bei Jerrys Welt in Zukunft um alle Themen rund um die Familie :)

2 Kommentare zu „Warum für uns keine Pränataldiagnostik in Frage kam beim 2.Kind…

  1. Ich kann deine Worte so gut nachvollziehen ❤
    Ich habe auch bei beiden Kids auf die Fruchtwasseruntersuchung verzichtet. Okay, bei meinen Jungs gab es von den Ultraschalls her auch keine Auffälligkeiten, ihre Specials zeigten sich erst im Laufe der Entwicklung. Aber hätte es für mich etwas geändert? Nein!
    Die Einzige Frage die wir dahingehend gestellt haben, war in wie hoch die Chancen sind das der kleine Brunder ebenfalls Autist sein könnte oder nicht. Während der Diagostik vom Großen war ich mit dem Kleinen schwanger. Aber es hat für mich nie einen Unterschied gemacht. Es ist wie es ist. Sie sind unsere Kinder die wir von Kopf bis Fuß lieben, insbesondere mit ihren Specials. Denn auch wenn sie mehr Hilfe und Aufmerksamkeit brauchen als andere Kids in ihrem alter, so geben sie uns doch auch ganz viel zurück ❤

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